Aktuelles
Mittwoch, den 14. Juni 2017

Schützt endlich die Urwälder am Edersee

Am nordhessischen Edersee gibt es, man glaubt es kaum, noch kleinflächige Urwaldreste in den unzugänglichen Hanglagen, die auf der nördlichen Seeseite bislang nur unzureichend geschützt sind. Gerade einmal rund 380 Hektar hat der Landesbetrieb Hessen-Forst dort offiziell aus der Forstnutzung herausgenommen. In den Randflächen wird aber weiterhin ungehindert intensive Forstwirtschaft betrieben. Auf die im internationalen Maßstab einzigartige Bedeutung der Steilhang-Urwälder macht jetzt ein neuer, hochwertiger Bildband aufmerksam. -Titel: Verborgene Urwälder am Edersee (erschienen im Ambaum Verlag). Die Autoren Ralf Kubosch und Norbert Panek wollen damit auch für einen besseren Schutz der Wälder werben. Als zukünftige Schutzform könnte ein "Nationales Naturmonument" in Frage kommen. Bislang gibt es nur zwei solche Schutzeinrichtungen in Deutschland (Ivenacker Eichen, Bruchhauser Steine). Ein drittes "Naturmonument" an den Edersee-Steilhängen wäre die ideale Lösung, um den Schutz der mitteleuropaweit wertvollen Wälder endlich großflächig und dauerhaft sicherzustellen.

>Bildband-Bezugsadresse: www.ambaum-verlag.de  

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Mittwoch, den 26. April 2017

"Kranker" Wald als Gesundmacher?

"Therapie unter Tannen" ist der vielsagende Titel einer 3Sat-Dokumentation, die am 27. April 2017 (20.15 Uhr) ausgestrahlt wird. Anschließend diskutiert Moderator Gert Scobel u. a. mit dem Lübecker Forstökologen Knut Sturm über den "Patient Wald", der durch den Einfluss des Menschen auch bei uns in Deutschland mittlerweile immer mehr in Bedrängnis kommt. Die Frage, welche Funktionen (Ökosystemleistungen) unsere Wälder in Zukunft eigentlich verstärkt erfüllen sollten, scheint nunmehr auch medial immer mehr in den Fokus zu rücken. Dabei könnte es klug sein, insbesondere den öffentlichen Wald nicht mehr länger als Holzfabrik zu mißbrauchen. Der Journalist Horst Stern wusste bereits vor fast 40 Jahren, "dass die naturferne Industriegesellschaft schon sehr bald körperlich und geistig nichts nötiger haben wird als ihr größtes noch intaktes Natursystem ...". Der Wald als beliebiger Rohstofflieferant hätte dann wohl ausgedient!

www.3sat.de/scobel/

>Norbert Panek (2013): Wilder Wälder braucht das Land, Ambaum Verlag.

>Beitrag "Rettet den Wald - Horst Stern's Botschaft" unter Menüpunkt Hintergrund auf dieser Seite

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Montag, den 20. März 2017

Spessart außer Rand und Band

Als der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer im letzten Jahr auf einer Kabinettssitzung beiläufig verkündete, dass es in Bayern einen dritten Nationalpark geben solle, zeigten sich Naturschützer zunächst irritiert. Nachdem die bayerische Landesregierung über Jahre hinweg alles Mögliche angestellt hatte, um einen Nationalpark im Steigerwald zu verhindern, nun also die Seehofer'sche Spezial-Kehrtwende! Wer aber glaubt, dass der Steigerwald jetzt doch noch eine neue Chance bekommen würde, ist schief gewickelt. Mit der so genannten Kehrtwende bleibt die Buchenwaldregion rund um Ebrach weiterhin aus allen Standort-Debatten ausgeschlossen. Begründung: "Regionale Widerstände" - obwohl sich gerade dort jetzt eine breite Bürgerbewegung für einen Nationalpark zu artikulieren beginnt. Aber im Spessart, in der zweiten aussichtsreichen Region mit Nationalpark-Ambitionen, haben sich die Gegner ebenfalls bereits lautstark formiert. Ihr Wortführer ist der CSU-Landtagsabgeordnete Peter Winter, dessen Aktivitäten von einem eigens neu gegründeten Verein "Wir im Spessart" getragen werden. Auf der anderen Seite haben Nationalparkbefürworter die Initiative "Freunde des Spessarts" ins Leben gerufen. Die Situation erinnert stark an die Anfangsphase der Nationalpark-Debatte im nordhessischen Kellerwald (in den 1980er Jahren). Dort hatten die Nationalparkpläne zunächst ebenfalls nur Chaos in Form eines riesigen Informationsvakuums angerichtet, in dem die Gerüchte-Küche nur so brodelte. Unterdessen wird die Nationalpark-Diskussion und damit auch die Arbeit der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf von ihren eigenen Parteikollegen aus der CSU-Fraktion offen torpediert und im Hintergrund agiert eine schwarz lackierte Forst- und Holzmafia, die dafür sorgt, dass die Gerüchte-Küche weiter unbehelligt vor sich hin köcheln kann. Seehofers "Kehrtwende" wirkt von außen wie eine schlecht inszenierte Theatervorstellung und schadet letztlich in jeder Hinsicht nur dem Naturschutz.

>Lesen Sie weiter unter Menüpunkt "Hintergrund"!

Internetseiten: www.freunde-des-spessarts.de; www.wir-im-spessart.de; www.np3.bayern.de

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Freitag, den 06. Januar 2017

Wälder ohne Schutz

Machen wir uns nichts mehr vor - der Naturschutz im deutschen Wald ist kläglich gescheitert! Wenn Naturschutz-Funktionäre tatsächlich Anderes behaupten, sind sie blind (oder verschließen bewusst die Augen!). Gerade 2 % der deutschen Waldfläche unterliegen nach Erhebungen des Bundesamtes für Naturschutz einem konsequenten, auch rechtlich gesicherten Schutz! Auch die Daten der Bundeswaldinventur bestätigen die Misere: Die Fläche, auf der "aus Naturschutzgründen" eine Holznutzung "nicht zulässig" ist, umfasst lediglich knapp 150.000 Hektar (= 1,3 % der Waldfläche Deutschlands). Erbärmlich genug, dies im Jahr 2017 feststellen zu müssen! Gleichzeitig nimmt die Holznutzung im deutschen Wald weiter dramatisch zu. Unsere Wälder sind schutzlos einer Forst- und Holz-"Mafia" ausgeliefert, für die allein der Preis von Wäldern zählt, nicht aber deren Wert. Intensivnutzung der Wälder und "integrativer" Naturschutz gleichzeitig und auf gleicher Fläche - das kann nicht funktionieren! Wann werden die in Verantwortung stehenden Politiker das endlich begreifen? Wie in diesem Lande der "Schutz" von Wäldern nach landläufiger. offizieller Lesart funktioniert, zeigen eindrücklich wieder mal Beispiele aus dem gerade zu Ende gegangenen Jahr 2016. In Hessen wurden im letzten Jahr im Staatswald so genannte nutzungsfreie "Kernflächen" ausgewiesen - insgesamt 25.500 Hektar. Das sind gerade 3 % vom Gesamtwald Hessens. Das Bundesland erfüllt damit weder im Staatswald noch im Gesamtwald die Zielvorgaben der Nationalen Biodiversitätsstrategie! Im Natura 2000-Gebiet "Laubacher Wald" wurde das dortige, größte Vorkommen des gefährdeten Grünen Besenmooses durch Auflichtungen und Fällung von Bäumen, auf denen die Moos-Art wuchs, im Zuge der forstlichen Bewirtschaftung ausgelöscht. Ein klarer Rechtsverstoß - könnte man meinen. Doch eine entsprechende "Umweltschadensanzeige" des NABU-Hessen wurde vom Regierungspräsidium Gießen zurückgewiesen. Begründung: Die "ordnungsgemäße" forstliche Nutzung könne grundsätzlich keine Umweltschäden hervorrufen! Ein daraufhin vom NABU angestrengtes Klageverfahren vor dem Verwaltungsgericht Gießen ist anhängig. Holznutzung in Schutzgebieten? Das ist der "Standard" in deutschen Wäldern. Vor allem Wälder im Natura 2000-Netz sind offensichtlich faktisch "rechtlos". Nach offizieller Lesart der zuständigen EU-Umweltbehörde kann eine Verpflichtung, Wald aus der Nutzung zu nehmen, "aus der FFH-Richtlinie nicht direkt abgeleitet werden." Demzufolge wird die forstwirtschaftliche Nutzung ungeprüft zur FFH-konformen "Erhaltungsmaßnahme" erklärt. Verkehrte Welt! Ein weiteres Negativ-Beispiel ist der mittlerweile schon Jahre andauernde Streit um einen vernünftigen Schutz der Steilhangwälder am nordhessischen Edersee. Dort wachsen kleinflächig noch die letzten ursprünglichen Reste von Laubwäldern mit "Massen"-Vorkommen hochgradig gefährdeter Urwald-Reliktarten. Seit Jahren weigert sich die hessische Landesregierung, diese einzigartigen, biologischen Schätze in den bestehenden Nationalpark "Kellerwald-Edersee" einzugliedern.

Man könnte dieses Trauerspiel beliebig fortführen und anhand von weiteren Fallbeispielen belegen - man käme immer wieder auf das gleiche Ergebnis: Der Naturschutz im deutschen Wald ist ein zahnloser Bürokraten-Tiger, gerade gut genug, um hier und da noch als "grünes Feigenblatt" herzuhalten. Wer von den engagierten Naturschutz-Verbänden legt endlich mal den Finger (oder vielleicht mal die ganze Hand) in die Wunde und scheut nicht das "blutige" Geschäft der harten politischen Auseinandersetzung? Die NABU-Klage vor dem Gießener Gericht mag sicher ein Signal sein, das allein aber wird nicht ausreichen. Wir brauchen dringend einen grundlegenden Poltitikwechsel im deutschen Wald! In diesem Sinne - ein frohes Neues!

>Hinweis: Beitrag über die "Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur aus Naturschutzsicht" in der aktullen Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" (www.nul-online.de).   

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