Aktuelles
Montag, den 20. März 2017

Spessart außer Rand und Band

Als der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer im letzten Jahr auf einer Kabinettssitzung beiläufig verkündete, dass es in Bayern einen dritten Nationalpark geben solle, zeigten sich Naturschützer zunächst irritiert. Nachdem die bayerische Landesregierung über Jahre hinweg alles Mögliche angestellt hatte, um einen Nationalpark im Steigerwald zu verhindern, nun also die Seehofer'sche Spezial-Kehrtwende! Wer aber glaubt, dass der Steigerwald jetzt doch noch eine neue Chance bekommen würde, ist schief gewickelt. Mit der so genannten Kehrtwende bleibt die Buchenwaldregion rund um Ebrach weiterhin aus allen Standort-Debatten ausgeschlossen. Begründung: "Regionale Widerstände" - obwohl sich gerade dort jetzt eine breite Bürgerbewegung für einen Nationalpark zu artikulieren beginnt. Aber im Spessart, in der zweiten aussichtsreichen Region mit Nationalpark-Ambitionen, haben sich die Gegner ebenfalls bereits lautstark formiert. Ihr Wortführer ist der CSU-Landtagsabgeordnete Peter Winter, dessen Aktivitäten von einem eigens neu gegründeten Verein "Wir im Spessart" getragen werden. Auf der anderen Seite haben Nationalparkbefürworter die Initiative "Freunde des Spessarts" ins Leben gerufen. Die Situation erinnert stark an die Anfangsphase der Nationalpark-Debatte im nordhessischen Kellerwald (in den 1980er Jahren). Dort hatten die Nationalparkpläne zunächst ebenfalls nur Chaos in Form eines riesigen Informationsvakuums angerichtet, in dem die Gerüchte-Küche nur so brodelte. Unterdessen wird die Nationalpark-Diskussion und damit auch die Arbeit der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf von ihren eigenen Parteikollegen aus der CSU-Fraktion offen torpediert und im Hintergrund agiert eine schwarz lackierte Forst- und Holzmafia, die dafür sorgt, dass die Gerüchte-Küche weiter unbehelligt vor sich hin köcheln kann. Seehofers "Kehrtwende" wirkt von außen wie eine schlecht inszenierte Theatervorstellung und schadet letztlich in jeder Hinsicht nur dem Naturschutz.

>Lesen Sie weiter unter Menüpunkt "Hintergrund"!

Internetseiten: www.freunde-des-spessarts.de; www.wir-im-spessart.de; www.np3.bayern.de

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Freitag, den 06. Januar 2017

Wälder ohne Schutz

Machen wir uns nichts mehr vor - der Naturschutz im deutschen Wald ist kläglich gescheitert! Wenn Naturschutz-Funktionäre tatsächlich Anderes behaupten, sind sie blind (oder verschließen bewusst die Augen!). Gerade 2 % der deutschen Waldfläche unterliegen nach Erhebungen des Bundesamtes für Naturschutz einem konsequenten, auch rechtlich gesicherten Schutz! Auch die Daten der Bundeswaldinventur bestätigen die Misere: Die Fläche, auf der "aus Naturschutzgründen" eine Holznutzung "nicht zulässig" ist, umfasst lediglich knapp 150.000 Hektar (= 1,3 % der Waldfläche Deutschlands). Erbärmlich genug, dies im Jahr 2017 feststellen zu müssen! Gleichzeitig nimmt die Holznutzung im deutschen Wald weiter dramatisch zu. Unsere Wälder sind schutzlos einer Forst- und Holz-"Mafia" ausgeliefert, für die allein der Preis von Wäldern zählt, nicht aber deren Wert. Intensivnutzung der Wälder und "integrativer" Naturschutz gleichzeitig und auf gleicher Fläche - das kann nicht funktionieren! Wann werden die in Verantwortung stehenden Politiker das endlich begreifen? Wie in diesem Lande der "Schutz" von Wäldern nach landläufiger. offizieller Lesart funktioniert, zeigen eindrücklich wieder mal Beispiele aus dem gerade zu Ende gegangenen Jahr 2016. In Hessen wurden im letzten Jahr im Staatswald so genannte nutzungsfreie "Kernflächen" ausgewiesen - insgesamt 25.500 Hektar. Das sind gerade 3 % vom Gesamtwald Hessens. Das Bundesland erfüllt damit weder im Staatswald noch im Gesamtwald die Zielvorgaben der Nationalen Biodiversitätsstrategie! Im Natura 2000-Gebiet "Laubacher Wald" wurde das dortige, größte Vorkommen des gefährdeten Grünen Besenmooses durch Auflichtungen und Fällung von Bäumen, auf denen die Moos-Art wuchs, im Zuge der forstlichen Bewirtschaftung ausgelöscht. Ein klarer Rechtsverstoß - könnte man meinen. Doch eine entsprechende "Umweltschadensanzeige" des NABU-Hessen wurde vom Regierungspräsidium Gießen zurückgewiesen. Begründung: Die "ordnungsgemäße" forstliche Nutzung könne grundsätzlich keine Umweltschäden hervorrufen! Ein daraufhin vom NABU angestrengtes Klageverfahren vor dem Verwaltungsgericht Gießen ist anhängig. Holznutzung in Schutzgebieten? Das ist der "Standard" in deutschen Wäldern. Vor allem Wälder im Natura 2000-Netz sind offensichtlich faktisch "rechtlos". Nach offizieller Lesart der zuständigen EU-Umweltbehörde kann eine Verpflichtung, Wald aus der Nutzung zu nehmen, "aus der FFH-Richtlinie nicht direkt abgeleitet werden." Demzufolge wird die forstwirtschaftliche Nutzung ungeprüft zur FFH-konformen "Erhaltungsmaßnahme" erklärt. Verkehrte Welt! Ein weiteres Negativ-Beispiel ist der mittlerweile schon Jahre andauernde Streit um einen vernünftigen Schutz der Steilhangwälder am nordhessischen Edersee. Dort wachsen kleinflächig noch die letzten ursprünglichen Reste von Laubwäldern mit "Massen"-Vorkommen hochgradig gefährdeter Urwald-Reliktarten. Seit Jahren weigert sich die hessische Landesregierung, diese einzigartigen, biologischen Schätze in den bestehenden Nationalpark "Kellerwald-Edersee" einzugliedern.

Man könnte dieses Trauerspiel beliebig fortführen und anhand von weiteren Fallbeispielen belegen - man käme immer wieder auf das gleiche Ergebnis: Der Naturschutz im deutschen Wald ist ein zahnloser Bürokraten-Tiger, gerade gut genug, um hier und da noch als "grünes Feigenblatt" herzuhalten. Wer von den engagierten Naturschutz-Verbänden legt endlich mal den Finger (oder vielleicht mal die ganze Hand) in die Wunde und scheut nicht das "blutige" Geschäft der harten politischen Auseinandersetzung? Die NABU-Klage vor dem Gießener Gericht mag sicher ein Signal sein, das allein aber wird nicht ausreichen. Wir brauchen dringend einen grundlegenden Poltitikwechsel im deutschen Wald! In diesem Sinne - ein frohes Neues!

>Hinweis: Beitrag über die "Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur aus Naturschutzsicht" in der aktullen Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" (www.nul-online.de).   

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Montag, den 01. August 2016

Nachhaltig rumgeholzt

Der Landesbetrieb Hessen-Forst hat im Juli 2016 seinen so genannten "Nachhaltigkeitsbericht" veröffentlicht. Der rund 80-seitige Bericht besticht vor allem durch großformatige, bunte Bilder, die dem Leser eine "heile" Waldidylle vorgaukeln sollen. Im Kontrast dazu steht die von Hessen-Forst angegebene Holzerntemenge im Staatswald. Sie lag 2015 bei rund 2,0 Millionen Kubikmeter (ohne Rinde) und damit bei bedenklichen 91 Prozent der jährlichen Holzzuwachsmenge. Der Landesbetrieb betrachtet diese Nutzungsquote immer noch als "nachhaltig". Faktisch bedeutet dieser jährliche, massive Holzmassen-Entzug aber eine drastische Einschränkung der ökologischen Entwicklungspotenziale im Wald. Zudem verkündet der Bericht stolz, dass mittlerweile mehr als 25.500 Hektar Wald als nutzungsfreie "Kernflächen" ausgewiesen wurden. Das sind gerade knapp drei Prozent der Gesamt-Holzbodenfläche Hessens. Das Bundesland erfüllt damit weder das 5 %-Ziel der Biodiversitätsstrategie, noch das 10 %-Ziel für nutzungsfreie Wälder im öffentlichen Besitz!  Von den "grünen" Entscheidungsträgern, die diese Wald-Defizite zu verantworten haben, wird das von Hessen-Forst vorgelegte Zahlenwerk in höchsten Tönen gelobt.Dafür herhalten muss der Schwarzstorch, dessen aktuelle Brutvorkommen im hessischen Wald als "Erfolg des Waldnaturschutzes" gefeiert werden (siehe Frankfurter Rundschau vom 23./ 24. Juli 2016). Tatsächlich hat sich der Bestand des Schwarzstorches, der in Hessen vor 35 Jahren als "ausgestorben" galt, seit 1982 wieder kontinuierlich erholt und ist in Hessen auf rund 70 Brutpaare angewachsen. Dieser positive Trend ist nach Expertenmeinung allerdings nicht etwa auf verbesserte Waldstrukturen (insbesondere Altholzstrukturen) zurückzuführen, sondern hauptsächlich durch einen allgemeinen Populationsdruck, der die Storch-Art aus ihren osteuropäischen Schwerpunktvorkommen zunehmend in potenzielle westeuropäische Brutgebiete drängt. Eine Rolle spielt dabei auch das verbesserte Nahrungsangebot (durch die Anlage von Teichen) und die Tatsache, dass der Waldstorch nicht mehr bejagt wird. Das Beispiel Schwarzstorch zeigt einmal mehr, wie der Landesbetrieb Hessen-Forst einzelne Artenschutz-Erfolge zu seinem eigenen Vorteil instrumentalisiert und damit die Öffentlichkeit systematisch blendet.

-Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht von Hessn-Forst ist abrufbar unter: www.hessen-forst.de

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Freitag, den 01. Juli 2016

Miserables Zeugnis für Waldnaturschutz

Deutschland schützt seine Wälder zu wenig und bewirtschaftet sie meist naturfern und intensiv. Internationale und nationale Abkommen wie die Biodiversitätsstrategie werden nur mangelhaft umgesetzt. Dies ist kurzgefasst das Fazit zweier Studien zum Zustand der deutschen Wälder, die von Greenpeace am 30. Juni 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Greenpeace hatte im letzten Jahr den Fortschritt der Bundesländer beim Waldnaturschutz durch eine Abfrage-Aktion überprüft. Dabei schnitten die Länder Bayern und Hessen am schlechtesten ab. Zusätzlich wurden die Daten der aktuellen Bundeswaldinventur ausgewertet und aus Naturschutzsicht analysiert. Bei dieser Auswertung kam u. a. heraus, dass die Totholzvorräte im deutschen Wald zwar statistisch zugenommen, die Totholz-Qualitäten aber z. B. bei dicken liegenden und stehenden Bäumen dramatisch abgenommen haben. Vor allem der Totholz-Anteil bei den Laubbäumen ist deutlich zu gering. Die Ergebnisse der Untersuchungen nebst Pressetext sind auf der Seite www.greenpeace.de/waldranking2016 abrufbar.

-Dazu ein Kommentar unter "Standpunkte".  

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